Das Alphorn - das Handy von damals

Wir wissen nicht so recht, was uns bei unserem Alphornkurs im Rahmen der Alphorntage erwartet, als wir die Treppen zum Musikpavillon in Mittelberg herabsteigen. Peinlich wäre es ja schon irgendwie, wenn man so gar keinen Ton herausbekommt. Bevor wir das ausprobieren dürfen, werden wir aber erst einmal vom Schweizer Gilbert Kolly, seines Zeichens Komponist, Alphornlehrer und Berufsmusiker, mit einem „Grüezi“ willkommen geheißen und in die Geschichte des Alphorns eingeweiht.

Das Land des Alphorns

Die überraschende Nachricht zuerst: Es kann nicht mit absoluter Sicherheit gesagt werden, ob das Alphorn seinen Ursprung wirklich in der Schweiz hat. Auch andere Kulturen benutzten schon früher z.B. Tierhörner als Blasinstrumente. Die älteste bekannte Abbildung eines Hirtenhorns kann man übrigens bei einer Wanderung ins benachbarte Rohrmoos in der Bergkappelle betrachten. Ebenfalls interessant: das Alphorn war um 1800 in der Schweiz fast ausgestorben, galt es doch als armes Hirteninstrument. Heute jedoch erfreut es sich nicht nur in der Schweiz, sondern zum Beispiel auch hier im Kleinwalsertal und im Allgäu immer größerer Beliebtheit. Und deswegen sind wir heute hier. Wir wollen auch mitsprechen können.

Das richtige Alphorn

Los geht’s – nach einem prüfenden Blick auf unsere Lippen öffnet Gilbert seinen Koffer und wählt gezielt für jeden von uns ein bestimmtes Mundstück aus. Außerdem drückt er uns ein Alphorn in die Hand. Die Länge des Alphorns hängt übrigens nicht von der Körpergröße ab, sondern bestimmt die Tonart in der es gestimmt ist. Erst einmal machen wir einige Atemübungen zum Aufwärmen: Tief in den Bauch einatmen und die Luft herausblasen. Das ganze dann auch mit Mundstück bevor wir das Alphorn dazu nehmen. Das ist im Endeffekt „nur“ der Verstärker für den Ton aus unserem Mundstück. Der erste Versuch – tief Luft holen – und wir schaffen es beide gleich einen Ton zu erzeugen. Schön klingt anders, aber immerhin. Gilbert korrigiert meine Haltung, ich stehe wohl etwas verspannt und weiter geht’s. Nach einigen Minuten bin ich ganz schön außer Atmen. Das viele tiefe Luftholen und lange ausatmen ist unerwartet anstrengend.

Der Klang der Berge

12 Töne könnten wir spielen – wir müssen uns mit einem zufrieden geben. Aber das ist für den ersten Versuch ja auch nicht so schlecht. Am Ende stehe ich in der Morgensonne, den Blick auf die Berge gerichtet und schaffe es einen Ton einigermaßen schön zu halten. Ein gutes Gefühl, irgendwie hat das Spielen eine beruhigende Wirkung. Das hängt sicher auch mit dem bewussten, tiefen Atmen zusammen. Vielleicht sollte ich das jeden Morgen ausprobieren – einfach die jeweilige Stimmung mit Tönen in die Berge herausblasen. So haben es übrigens früher die Hirten auf den verschiedenen Alpen gemacht. Gute Nachrichten haben Sie sich von Alp zu Alp mit einer fröhlichen Melodie auf dem Alphorn mitgeteilt – so wussten die anderen: „Es gibt etwas zu feiern, kommt bei mir vorbei“. Das Handy von damals eben.
 

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