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Die Tracht im Kleinwalsertal

 Tal & Walser   Brauchtum   Tracht 

Trachten zwischen 1800 - 1860

 

Aus der Geschichte.
In einer der ältesten, schriftlichen Aufzeichnungen lesen wir über das Gewand der Walser in der Gemeinde Mittelberg:

”Ihre Kleidung war aus Leinen oder Schafwolle.
Die Männer trugen lange Bärte, hohe Hüte, Röcke ohne Taschen und Hosen ohne Laden, nur mit einer Schnur zusammengezogen.
Die Weiber hatten Juppen bis auf die Knie, anfänglich roh, dann in einem Gesott von Erlenrinden gefärbt. Die Schultern bedeckte ein leinenes Schälke, welches vorne einen Latz hatte, über die Brust gespannt war und unter der linken Achsel zugebunden wurde.
Die Trauerkleidung der Weiber bestand in einem hohen Huth, einer weißen Stauchen und einem schwarzen Mantel.” 

 

Es gibt verschiedene, oft aber auch ganz irrtümliche Anschauungen über die Trachten und vor allem über das Alter derselben.
Forschungsergebnisse haben ganz klar ergeben, dass es vor 1500 keine eigentlichen Trachten, sondern nur Unterschiede zwischen höfischem Gewand und Standeskleidung gab.

 

Zu einer solchen Standeskleidung zählte auch der übliche Alltagsanzug des Bauernstandes. Seine schlichte Form blieb durch die ausschließliche Verwendung selbst gefertigter Erzeugnisse daher auch durch die Jahrhunderte die gleiche.

 

Frauentracht um 1890

Eine erste Veränderung erfuhr die bäuerliche Alltagskleidung durch die Handels- und Fuhrleute, sie brachten aus ihren Handelsorten "ihnen zusagende Gewandstücke" mit.

 

In Anpassung an Landschaft, Klima und Arbeit, vor allem aber an die zur Verfügung stehenden Rohstoffe, wurden diese dann so ganz allmählich zu einem "Trachtenteil".


Die allgemein bekannte Farbenfreudigkeit des Landvolkes und auch gute wirtschaftliche Zeiten brachten immer wieder eine Änderung, vor allem aber eine Verschönerung der Trachten. So entstanden etwa ab dem 16. Jahrhundert die Landestrachten, gebietsweise recht verschieden, eben mit ihren typischen Geprägen.


 

 

Trachteninsel

Zu einer solchen "Trachteninsel" gehört zweifellos auch das Kleinwalsertal.

Die Walser Tracht hat unleugbar ein hohes Alter und gehört zu den altertümlichsten Trachten im Lande Vorarlberg. Die Behauptung mancher Einheimischer, unsere Vorfahren hätten die Tracht schon bei der Einwanderung aus dem Oberwallis anno 1300 mitgebracht, ist aber völlig unbegründet.

Der Walserchronist Alfons Köberle schreibt in einem Bericht über die historische Entwicklung der Walsertracht: ”Jahrelange Studien und Vergleiche, Sammeln aller erreichbaren bildlichen Überlieferungen in Gemälden, Votivtafeln, Bildstöckle usw. gaben die Möglichkeit einer objektiven Darstellung”.

Bis etwa 1870 haben die Männer und bis 1890 die Frauen an der Tracht zäh festgehalten. Nach der Jahrhundertwende aber, mit dem starken Aufkommen des modernen "Fremd- und Schwabhäß" ging, insbesonders bei der weiblichen Jugend, das Tracht-Tragen immer mehr zurück und es ist bezeichnend, daß auf alten Fotos von Prozessionen, Hochzeiten und Festlichkeiten die "Fremdhäßeten" mit dem Schnürleib und weißen Kränzchen, anstatt dem Krönele, in der Mehrzahl aufscheinen. Unter den Schulkindern und Kommunikanten waren es nur gezählte aus heimattreuen Familien, die strikt die Tracht trugen. Es ging sogar soweit, daß man fast gar keine Trachten mehr sah. Auch die Männertracht war bis zur Jahrhundertwende fast ganz verschwunden und zu einem seltenen Museumsstück geworden.

 

Höchstens bei kulturhistorischen Feierlichkeit, wie beim dreifachen Walserjubiläum 1891, beim Kaiserjubiläums-Festzug in Wien 1908, bei der Jahrhundertfeier 1909 in Bregenz und beim Heimkehrerfest 1920 in Riezlern, wo eine Ehrenwache in der sogenannten Ammännertracht, helebardenbewehrt, war sie noch zu sehen.

 

"Beseelt von dem tiefgründigen Wunsche, ein Wiederaufleben der männlichen Trachten unserer Altvordern zu ermöglichen" (Alfons Köberle wörtlich), fanden sich im Februar 1926 eine Anzahl meist bejahrter Walser zusammen, um darüber zu beraten. Der einmütige Entschluß um eine Reformierung ging dahin, die Originaltracht in Schnitt, Farben und Schmuck getreulich weiter zu pflegen. Ohne Satzungen und jegliche Vereinsmeierei wurde dies auch in wenigen Monaten verwirklicht. Eine erste anschauliche Kostprobe bildete die Teilnahme der Walser am großen Oberstdorfer Trachtenfest im Juli 1926.


Erfreulich war auch, dass sich unsere drei Musikkapellen bald in der Heimattracht, anstatt in irgendwelchen Uniformen zeigten. Als erste erschien die Blaskapelle Mittelberg anno 1932 bei der Fronleichnamsprozession komplett in der Tracht (mit Montafoner Zylinder!), die ihnen ihr Kapellmeister Max Seelenmayer großzügig gestiftet hatte. Die Riezler Musikanten rückten erstmals in der Burschentracht (Lääderliib) am Peterpaulstag 1934 zur vaterländischen Kundgebung in Feldkirch aus und die Hirschegger Musik schaffte sich 1953 die Walsertracht (mit brauner Joppe) an.

Mit den wichtigsten Beitrag für die Erhaltung der Kleinwalsertaler Tracht leisteten mit Sicherheit unsere Trachtengruppen. Mit der Einführung der Heimatabende, vorwiegend für die Gäste, konnte neben den alten Tänzen und Liedgut auch die Tracht erhalten werden.

 

Heute wir die Tracht noch gerne bei festlichen Anlässen getragen. In den letzten Jahren, wurden nach über 20 Jahren wieder zwei richtige Walser Hochzeiten gefeiert. Beide Brautleute und der Großteil der Hochzeitsgesellschaft erschien zu der Festlichkeit in der traditionellen Tracht.

 


Mädchen- und Frauentracht

Walsertracht heute

 

Schuhe

Es werden schwarze niedere Schuhe, also mit normalen Absätzen, meistens zum Binden, mit Silberschnalle und Samtborte aus Sämischleder mit Fütterung verwendet. Dann auch Schnallenschuhe mit weitem Ausschnitt, Lochornamenten und kleinen Mäschchen. Die mit besonderer Sorgfalt gemachten "Horzedschua" fanden früher stets die Aufbewahrung in der Familientruhe.

 

Strümpfe

Die ersten "Schtrömpf" waren noch recht kurze, eher weiße Socken, die Werktagsstrümpfe wurden teilweise auch blau gefärbt. Jetzt sind es weiße Kniestrümpfe, früher ausschließlich aus Schafwolle gestrickt, heute auch Garn mit Ziermuster. Zur Soometkappa und zum Siidahuat trägt man weiße, bei Trauer schwarze Strümpfe.

 

Unterrock

Das Hauptkleid der Walserin war und ist der "Onderrock". In früherer Zeit wurde er vielfach allein getragen, hauptsächlich bei der Arbeit, nur beim Ausgehen wurde die Juppe darüber gezogen.
Der Unterrock ist aus starkem, grünem Baumwoll- oder Wollstoff mit etwa drei Meter Umfang und reicht bis ungefähr zur Mitte der Waden. Der Saum ist ein 10 bis 12 cm breiter Flanellstreifen mit roten, aufwärts stehenden Zacken, mit feinen Stichen verziert. Als Abschluß des unteren Rockrandes dient eine grün-rote Schnur. Oben wird der Unterrock durch ein kurzes Leibchen gehalten, das knapp bis unter die Brust reicht. Es ist aus schwarzer Atlasseide, auf dem rückwärts eine, vorn zwei Rosen in farbiger Wolle gestickt sind. Dieser Leib ist mit rotem Band an Hals- und Ärmellöcher eingefaßt (Ärmelblenden in kleinster Smokearbeit siebzehnmal umstochen), vorne auf der rechten Seite mit vier achteckigen silbernen Knöpfen versehen und ist am grünen Unterrock angenäht. Die Ausschmückung des Unterrock-Leibchens ist ein charakteristisches Merkmal der Walsertracht. Der Unterrock hat auch eine Tasche. Die Tabakpfeife brachte die Frau im Juppensack unter, während sie im größeren "intimen" Unterrocksack so manch andere Dinge "sicher" verwahren kann.

 

Juppe

Schön und auffällig ist die ungebrochene Linie der Kleinwalsertaler "Juppa", ein sehr weiter Rock. Nach alten Aufzeichnungen reichte die Juppa früher nur bis knapp übers Knie und war meist 20 cm kürzer, als der bis zur Mitte der Waden reichende Unterrock. Die ersten Juppa waren aus ungebleichter, dann aus rostbraun gefärbter Leinwand (durch Absud von Erlenrinde) gemacht. Seit Mitte des 17.Jh. werden sie mit "Bresillspee" schwarz gefärbt, waren aber immer aus schwerer glatter Leinwand. Erst nach 1800 wurden die Juppen aus Wolle und Baumwolle eingeführt. Bis 1860 galten alle Juppen als Feiertagskleid.
Der Schnitt hat sich im Laufe der Jahre auch verändert. Am oberen Teil der Juppe wurden die Falten auf Handbreite niedergenäht, dann kam ein ebenso breiter roter Tuchstreifen und dann erst der schwarze Rand mit den Trägern. Somit wurde der Leib verlängert. Dieser Leib wurde vorn über einen "Stecker" mit farbiger Seide überzogen, mit einer Seidenborte eingefaßt, schön ausgenäht und mit einer Schnur, dem "Brisnestel" zugeschnürt. Ab 1860 kam diese "Ibrise" ganz aus der Mode.
Jetzt reicht die Juppa von den Achseln bis zu den Knöcheln. Sie soll aber auch nicht zu lang sein (man kehrt damit nicht die Straße), die Schuhe sollte man sehen. Sie ist aus schwerem Baumwollstoff und an zwei schwarzen Samtträgern wird der ca. 5 bis 6 m breite Stoff über der Brust anplissiert, d.h. in Millimeterbreite gefältelt, es sind etwa 1000 kleinste Fältchen. Unten an der Juppe ist ein 10 - 15 cm breiter Besatz, die sogenannte "Bsetze" aus schwarzem Wolltuch. Diese "Juppabsetze", noch früher "Falbele" genannt, ist in geraffter Form und dieser Faltensaum verleiht dem Rock die nötige Schwere. Die obere Einfassung des Rockes ist aus schwarzem Samt. Vorne ist die Juppe fast ganz offen und nur mit ein paar Bändern gebunden, man kann sie also beinahe einen Mantel nennen. Wo sie zugebunden ist, wird die Öffnung durch die Schürze verdeckt.

 

Bluse

Das "Hemd" der Walserin, kann man weniger als Hemd, eher als eine Art Bluse bezeichnen. An Sonn- und Feiertagen hat sie lange Ärmel, zur Arbeit und geselligen Unterhaltung, wenn man also "gschnürt" geht, halblange, bauschige Ärmel an einem kurzen Leibchen. Die Bluse ist aus feinem Leinen, am Hals und an den Ärmeln durch ein schmales Bändchen eingefaßt, mit dem die vielen feinen Fältchen dahinter festgehalten werden. Es darf keine Dirndlbluse sein, als einzige Zierde darf ein roter Kreuzlstich (Hexenstich) an den Ärmeln angebracht werden, typisch sind die eingenähten Achselzwickel.
Das sogenannte "Goddahemd", es wurde von der Patin angefertigt und stand als Taufgeschenk in Sitte, wurde sorgfältig und ehrfürchtig aufbewahrt. Auch dieses hat keinerlei Spitzen und Verzierungen.

 

Schürze

Der "Fürsches" war 1850 und 1860 noch gefältelt, bestand aus Leinwand, dann Wolle und später Baumwolle, er war ganz dunkelfarbig und leicht gestreift. Spätere Schürzen waren auch in zwei schimmernden Farben und sie wurden "Schilcher" genannt
Jetzt ist es eine Brokatschürze in schönen Farben (außer weiß), sie soll aber nicht zu groß gemustert und nicht zu poppig sein.
Die Schürze hat eine Breite von 80 bis 100 cm und reicht von oberhalb der Brust bis zum Juppensaum, hat einen niedrigen Latz und wird mit zwei kleinen Häkchen an den beiden Juppenträgern eingehängt.
Befestigt wird sie mit dem "Fürschesbändl". ein mit Silber- oder Goldfäden durchwirktes Samtband, evtl. auch mit einer Brosche. Die Schürzenbändel sollen nebeneinander laufen, dürfen sich beim Binden also nicht überkreuzen. Die Trauerschürze ist aus schwarzer Seide, ohne Brosche, dazu ist aber gleichzeitig das Schälkle zu tragen. Am Gründonnerstag wird eine dunkle und am Karfreitag eine schwarze Schürze getragen.

 

Die Walser Frau trägt zur Tracht meistens eine Jacke.

Es gibt verschiedene Formen, die geläufigsten und vor allem heute noch getragenen, sind das Schälkle, die Ärmel und der Chüttel.
Der Vollständigkeit halber, wollen wir aber auch die heute nicht mehr gebräuchlichen Jacken erwähnen.

 

Schälkle

Es ist die älteste Form der Walser Trachtenjacke und war früher aus Leder gearbeitet. Später wurde es aus Leinen angefertigt, jetzt ist es aus feinem schwarzem Tuch, dem sogenannten Herrentuch. Besondere Verzierung ist der schwarze Chenillebesatz, wozu 30 m Chenilleborten ("Chenille - Würm") verwendet werden. Diese Form hat sich nun schon 200 Jahre gehalten. Das Schälkle ist außerordentlich kurz, an den Schultern bis über die Achseln heruntergezogen, die Ärmel ziemlich weit geschnitten, verjüngen sich aber bis zum Handgelenk so, daß es dieses eng und ganz umschließt.
Seit etwa 1840 wird das Schälkle ausschließlich zu kirchlichen Feiern getragen und zwar vom Mädchen mit der Krone und der Frau bei Traueranlässen mit der Soometkappa und Stuucha, aber nur die Nächstverwandten. Die übrigen tragen Ärmel, ältere Frauen in der kälteren Jahreszeit den Kittel.

Schon viele Jahre verschwunden ist die

 

Schlutter, Schlutta

Es war eine kurze Ärmeljacke, in ihrer Form den "Ärmeln" sehr ähnlich, aus schwarzem Seidentuch. Ihr Merkmal war eine am Rücken nach oben aufspringende Doppelfalte. Die auf- und eingeschlagene Falte wurde abgenäht. Die "Schlutter" ist mit dem "Einbriset" verschwunden.
Als einheitliches Kleidungsstück sind die "Ärmel" geblieben.

 

Ärmel

Eine andere Jacke sind die "Ärmel". Sie sind länger als das Schälkle, aus schwarzer Seide mit einem Samtband von gleicher Farbe am Hals und an den Handgelenken. An der Brust sind sie eingefasst, mit Blumenornamenten geschmückt und mit 4 oder 6 achteckigen Silberknöpfen verziert. Sie haben innen rot abgefütterte Stulpen.
Die Ärmel trägt die Frau zu Soometkappa, Birgerkappa und Seiden-, Filz- bzw. Strohhut, als Gürtel die "Bschlacht", die am Rücken von den "Ärmeln" sichtbar freigelassen werden.

 

Chüttel

Ein nicht sehr kleidsames Stück ist der halblange "Küttel" oder "Fiesl", der die Figur etwas dick und unförmig macht. Diese Jacke ist eine Nachahmung aus dem Lechtal, wurde nur mehr von älteren Frauen an Werktagen getragen und war lange fast ganz verschwunden.
Der Chüttel ist aus schwarzem oder dunklem Woll- oder Baumwollstoff gearbeitet, leinengefüttert, hat eine aufgenähte Borte und ist vorne durchgeknöpft. Er wird zu Birgerkappa und Filzhut getragen. Im Winter ist es ein schwererer und wärmerer Stoff, im Sommer leichter.

 

Mantel

Den Regenschirm "s'Dach" kannte man vor 1800 nicht und die Walserin trug zum Schutze gegen die Witterung das sogenannte "Rägaschößle". Für die kalte Winterzeit kam der knöchellange Mantel dazu. Es war ein taubengrüner Umhangmantel aus glattem leichtem Wollstoff. Ein aufstehendes schmales Halsbündchen hielt die ziemlich langen, über die Schulter hinabfallenden Falten zusammen.

In den 1870er Jahren kam eine neue Mantelform. Er ist doppelt und braucht 4 1/2 Meter bestes Herrentuch bei 1,40 m Breite. Der Mantel reicht nicht ganz bis zum oberen "Bsetzerand" der Juppe, einschließlich der eigenen schmalen gefältelten Rüsche. Ein Silberkettchen um zwei achteckige Silberknöpfe schließt den Mantel. Den Umlegkragen und den etwas kürzeren Oberteil des seidenglänzenden schwarzen "Walsermantel" umrahmt ein schmales, schwarzes Samtband. Der Mantel wird zur Birgerkappa getragen. Später kamen dann dazu - das

 

Mäntele

Es ist gleich wie der Mantel, aber nur knielang und wird zur Birgerkappa und Soometkappa getragen. Die Frau trägt auch den Umhang oder das Tuch, das Dreieckwolltuch und den Wollschal, er ist schwarz und hat Fransen.

 

Umhang, Tuch und Schal

werden ohne Kopfbedeckung getragen.

 

Trauerband

zu jedem Trachtenteil.

 

Halstuch

Bis Mitte der 1870er Jahre trugen die Frauen große dunkle, aber auch buntseidene Halstücher, die zweimal um den Hals geschlungen wurden und in langen Enden über die Schlutta oder Ärmel hinunterhingen. Jetzt sind kleinere dunkelfarbige Seidenhalstücher gebräuchlich, die mit einem bestimmten Knoten gebunden und über der Halskette zur Soometkappa und zum Hut getragen werden.


 

Kopfbedeckungen

 

Stuucha

Die älteste und ganz allgemein getragene Form einer Kopfbedeckung war die "Stuucha". Sie ist aus der Witwentracht des Mittelalters übriggeblieben und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Vorarlberg allmählich zur Trauertracht geworden.
Bei uns im Kleinwalsertal kam dann, wohl als Witterungsschutz - ein hoher steifer Filzhut dazu, dessen breiter Rand flach ist und der mit einem schwarzen Atlasband umwunden ist.
Neben Rosenkranz und Wachsstock gehört bei uns zur Trauerkleidung die Stuucha. Sie wurde von den allernächsten Verwandten ein Jahr lang jeden Sonntag getragen, später hingegen nur mehr von der Witwe oder ältesten Schwester des Verstorbenen, da aber nur noch bei den 3 Trauergottesdiensten, der Beerdigung, 4 Wochen danach - der Dreißigste und 4 Wochen vor Ablauf des Trauerjahres, der erste Jahrtag.

Das Umlegen dieses großen weißen Tuches aus feinem Leinen mit Fransen an dem Ende, welches vom Hinterkopf herunterhängt, bedarf sachkundiger Handgriffe. Zur Stuucha trägt man das Trauerband, Halstuch und Schälkle.

Altersmäßig folgt der Stuucha die sogenannte

 

Huuba

Es ist eine kleine Haube aus einem Stück weißer Spitze von etwa 8 cm Länge und 4 cm Breite. Sie wurde mit zwei langen, schmalen Bändern an den Zöpfen befestigt. Die Huuba wurde ausschließlich von Frauen getragen und galt als Symbol der Treue zu ihren Männern.

Für die Mädchen und jüngere Generation der Frauen blieb über zwei Jahrhunderte als Sonntags - Kopfbedeckung die

 

Länza

Sie wurde später nur an hohen Festtagen getragen und schließlich war sie nur noch als Trauerkleidung für die Verwandten im zweiten und dritten Grad üblich.
Am längsten behielten die Mädchen mit der Jungfernkrone oder dem "Schappele", ebenfalls auch die Länza bei.

Länza sind eigentümliche Hauben aus Sammet mit zwei großen, ohren-artigen Vorstößen aus steifem, gewelltem Flor. Links und rechts hängen zwei breitere Bänder herab. Die Frauen setzten dann auf die Länza noch einen runden, schwarzen Hut aus starkem Filz mit sehr niedrigem "Gupf". Die Haare wurden in zwei Zöpfen aus der vorgesehenen Öffnung in der Länza heraus- und in zwei Bögen geschlungen.

Länza und Filzhüte verschwanden Anfang der 1870er Jahre gänzlich.

In den letzten Jahre wurde wieder eine neue Art "Länza" eingeführt, man trägt aber nur den früher üblichen Hut, der zur Länza gehörte.

Der "nicht mehr moderne Teil" der ursprünglichen Länza, also die ohrenartigen Vorstöße, wurden wahrscheinlich absichtlich nicht mehr übernommen. Die langen, schwarzen Bänder sind von den "Ohren" weggenommen und direkt am Hut angenäht worden.

 

Breemakappa oder Soometchappa

Sie gilt seit Beginn des 17. Jahrhunderts als der höchste Festtagsschmuck der verheirateten Walserin. Nur ihr allein stand das standesgemäße Tragen einer Soometchappa zu, die als Sinnbild der Treue gewertet wurde.
Bei der Begräbnisfeier von Eltern oder Geschwistern durfte auch die ledige Tochter bzw. Schwester diese als Nächtstrauernde tragen, aber nur in Verbindung mit dem Schälkle.

In neuerer Zeit tragen auch ältere ledige Frauen die Soometchappa.

Im Gegensatz zur rundherum gleichförmigen Breemakappe im Bregenzerwald, besteht die Kleinwalsertaler Soometchappa aus einem getrennten, vorn niedrigeren, rundlichen und hinten höheren, flachen "Bräm".

Sie wird von einem Mittelboden aus rotem Seidensamt (daher auch die Bezeichnung "Soometchappa") zusammengehalten. Der Samtboden zeigt eine eigens eingepreßte Blumenmusterung und wird dekorativ von einer roten gehäkelten Schnur überkreuzt. Als Futter wird Lammfell, zur Füllung der Kappe Seegras und Hanf verwendet.

Die Herstellung einer schönen Fischotterhaube, das Fell einer großen Otter reicht zu einer Breemakappe, wird heute mangels geeigneten Materials (früher gab es im Kleinwalsertal Fischottern) zusehends schwieriger und seltener. Sie überdauert bei sachlicher Benützung, gleich wie die Mädchenkrone, zwei bis drei Generationen und gewinnt an Wertschätzung als übernommenes Ahnengut.

In der dunklen und rehbraunen Färbung des Otterfelles wurde unter Walser Frauen eitel Kritik geübt. Die Soometchappa wird mit fachkundigem Griff von rückwärts aufgesetzt, mittels einer Stricknadel auch die letzten widerspenstigen Haare hinaufgestrichen und auch die Ohren sollen zur Hälfte verschwinden.

 

Birgerkappa

Zur Wintertracht gehört die Birgerkappe, wann diese zu uns kam und woher die direkt chinesenähnliche Kappe stammt, weiß niemand ganz genau. Die Form ist auch im Bregenzerwald (Spitzkappe) verbreitet, ist dort aber viel kleiner und zierlicher.

Unsere Bezeichnung "Birgerkappa" deutet auf "Birg", also auf den Tannberg hin. Die Birgerkappa ist ein spitzer Hut ohne Krempe, wird innen mit grober weißer Wolle, außen mit schwarzer böhmischer Schafwolle langmaschig gestrickt. Die stumpfen Spitzen rund um den unteren Rand werden durch Aufschneiden der Maschen und Auskämmen erreicht. Rund um die Kappe, in einem Zickzack verteilt, sind zwölf kleine weiße Kreidepunkte, sie beleben die schwarze Fläche ein bißchen.
Zur Birgerkappe gehört das Mäntele oder der Walser Mantel.
Die Birgerkappa trägt man nur im Winter, vom Seelensonntag (1. Sonntag nach Allerseelen) bis Ostern.

 

Häufig sah und sieht man die Walserin an Sonntagen und auf Reisen mit einem runden, niedrigen, schwarzen Hut. Die Ausführung ist ziemlich gleich wie beim späteren Seidenhut.

 

Filzhut

Zum Filzhut werden Bänder getragen, sie sind aber nicht so lang wie beim Seidenhut. Der Filzhut wird nur im Winter mit "Ärmel", Mantel oder Mäntele getragen.

 

Strohhut

Der Hut besteht aus lackiertem Stroh, der mit Blümchen und Bändern ausgeputzt ist. Er wird nur im Sommer mit "Ärmel" oder Kittel getragen.

 

Seidenhut

Der äußerst kleidsame "Siidahuat" wird heute von allen Altersklassen als Sonntagskopfbedeckung getragen. Er ist seit Anfang 1800 wohl aus dem tirolischen Inntal eingeführt, paßt aber ausgezeichnet zur Walsertracht, sofern nicht Jungfernkrone oder Fischotterhaube den höchsten Festanlaß repräsentieren wollen.
Der Hut ist hergestellt aus feinem schwarzem Seidenfilz, mit Goldborten an der Unterfläche des Hutrandes. Zum Siidahuat gehören die langen, breiten Samtbänder (Altas- oder Morreebänder), die bis zur "Bsetze" reichen.
Zum Siidahuat gehören die Ärmel und die Bschlacht.

 

Andere, frühere Kopfbedeckungen der Frauen waren:

 

Mäßle

Bevor man die niederen schwarzen Hüte einführte, waren die "Mäßle" im Gebrauch und sie waren die älteste Form der Weiberhüte.
Den Namen hatten sie von ihrer Form, denn sie sahen aus wie ein Maßgefäß, indem sie nur einfache Zylinder ohne Krempe aus schwarzem Filz waren. Um 1800 trugen die Frauen sie nur noch an Werktagen und bald danach waren sie ganz verschwunden.

 

Griimer

Über den Griimer ist nicht viel bekannt, Fink-Klenze kannte diesen Hut anno 1891 noch überhaupt nicht. Wir kennen ihn nur von Bildern beim Kaiserjubiläum in Wien anno 1908, wo ihn zwei Mittelberger Frauen tragen.
Diese Kopfbedeckung war ein Hut ohne Krempe, etwa 5 cm hoch mit einem "Deckel". Material war gekräuselte Wolle mit Samt und ein breites verziertes Band.

 

Das prunkvollste Stück aller Kopfbedeckungen ist aber bei uns im Kleinwalsertal die "Goldkrone", meist als "Chranz" bezeichnet.
Sie hat sich in vier Zeitstufen entwickelt.

 

Vom "Schappele" bis zum "Chranz"

Die älteste Form dieses Ehrenzeichens ist das Schappele. Die mittelhochdeutsche Bezeichnung Schapel ist ein Lehnwort aus dem altfranzösischen chapell, womit zu Ende des Mittelalters ein Jungfernkranz gedeutet wurde.
Das Schappele wird als eine Art Weihegeschenk an die reifende Jungfrau angesehen. Es zählt zur hoffnungsfreudigen Begebenheit im Familienleben, wenn die Mutter ihren seit der eigenen Hochzeit sorgsam im Schrank verwahrten Jungfernkranz erstmals auf das Haupt ihrer heranwachsenden Tochter setzen kann. Der Trägerin und ihrer Familie kommt ehrfurchtsvolle Achtung zugute, wenn sie dieses Ehrenzeichen unbescholtener Jungfräulichkeit bei allen festlichen Anlässen durch die Jugendjahre bis zur eigenen Hochzeit tragen darf.

In alter Zeit wachte der Dorfklatsch als gestrenger Sittenrichter über einen eventuellen Mißbrauch des Schappele - Rechtes.

 

Die älteste Form im Kleinwalsertal war schon im 16. Jahrhundert das "weiße Schappele" und es bestand aus einem runden Stück Karton von 10 cm Durchmesser, der an zwei Seiten kegelförmig eingekerbt ist. Das ganze Stück ist mit 3 cm breiten weißen Bändern überzogen. Rückwärts hingen vier, etwa 3 cm breite Seidenbänder, ca. 12 cm lang herunter.
Etwa 100 Jahre später wurde die gleiche Form mit Goldbrokat- oder farbigen Seidenbändern geschmückt.

Das "Brautschappele" hingegen war stets mit grünen Seidenbändern überzogen.

In der Mitte all dieser Schappele befindet sich ein aus Goldflitter, Glasperlen und Rosettchen kunstvoll geflochtenes Krönlein von etwa 6 cm Durchmesser und 3 cm Höhe. Bei allen hängen hinten vier, etwa 3 cm breite und 10 cm lange gleichfarbige Bänder herunter. Zwei lange schmale Bändchen sind angebracht, um das Schappele auf dem oberen Teil des Hinterkopfes binden zu können.
Die Großwalsertalerinnen haben die vorhin geschilderte Schapelform beibehalten, indessen sie im Kleinwalsertal um 1828 durch die seitdem gebräuchliche Krone oder den "Chranz" verändert wurde.

Diese viel teurere Goldkrone ähnelte in Größe und Aufmachung jenem im benachbarten Bregenzerwald üblichen "Krönele oder Schappele".
Mit der Bereicherung des Trachtenschmuckes in den wirtschaftsgünstigen 1870er Jahren erfuhr die Kleinwalsertaler Krone nochmals eine respektable Vergrößerung.

Bei Neuanschaffungen ließ man gerne das Gottele (Taufpatin) mit einem großzügigen Scherflein einspringen, kostete ein solcher Kopfschmuck um die Jahrhundertwende doch schon über hundert Mark.

 

Die Krone wird nur bei besonderen Anlässen wie Hochzeiten, Prozessionen und sonstigen kirchlichen Festanlässen getragen. Bei der Hochzeit schmückt die Krone zum letztenmal das jungfräuliche Haupt und dann wird sie in der Familie für die nächste Tochter aufgehoben, oder wird vererbt. Eine Krone wurde niemals verkauft oder versteigert, dies war ein schwerer Verstoß gegen das ungeschriebene Gesetz der alten Walser Familien.

 

Die heutige Jungfernkrone, die dritte Kranzform, ist auf einem 4-5 cm hohen und 10-12 cm weiten, samtüberzogenen Reif, auf dem ein nach oben ausladendes Drahtgestell befestigt ist. Die Flitterkrone wird mit Goldfäden, Glasperlen, Goldplättchen und feinen Blümchen aus buntem Seidenstoff kelchförmig aufgebaut.

Der obere Teil ist von zwölf kleinen Rosetten aus Glasperlen umkränzt, der untere Teil trägt zwei feine Kettchen, girlandenförmig aufgehängt. Der obere Durchmesser war 20 cm, die Gesamthöhe 12 cm.
Seit etwa 1870 wurden die Maße erweitert und die Kronen haben jetzt eine Höhe von 15 cm und 30 cm Durchmesser.
Rückwärts hängen 4 doppelte, etwa 14 cm lange rote Seidenbänder herab, nur der Braut sind grüne und den Muttergottesträgerinnnen blaue Bänder gestattet.
Zum "Chranz" wird das Schälkle und der Plätteleschgürtl getragen.
Das Tragen der Krone ohne Leibkleid, also nur in der Bluse, soll vermieden werden.
Den "Chranz oder Chrönele" trägt das Mädchen ab dem Weißen Sonntag bis Ende des Sommers.

 

Kopftuch

Ein Kopftuch trägt die Walserin eigentlich selten, meist nur am Werktag.
Am Gründonnerstag sollte es aber unbedingt ein dunkles Tuch sein.


Schmuck der Walserin

 

Je nach Wohlstand der einzelnen Gebiete hatten die Trachten auch ihren entsprechenden Schmuck. Im Kleinwalsertal kam um die Mitte des 18. Jahrhunderts der Silberschmuck auf und löste die vielen und farbenreichen Bänder ab.

 

Lädergürtel

Schon zur alten rostbraunen Juppa um 1780 herum, kannte man zur Frauentracht einen Ledergürtel. Dieser hatte eine Rosette aus Messing, die sich auf dem Rücken befand und teilweise war auch die Jahreszahl und der Name der Trägerin eingraviert. Er war sehr schmal, wurde seitlich geschlossen und hing mit seinen Enden ein Stück herunter.
Aus diesem einfachen Gürtel entwickelte sich gegen Ende des 18. Jh. ein breiterer Gürtel aus Glanzleder, der mit drei gegossenen und fein ziselierten Rokoko-Schmuckstücken geziert war. Die drei Schmuckstücke wurden unter der Brust sichtbar getragen, der Verschluß war auch vorne.
Um die Mitte des 19. Jh. kam der Silberfiligranschmuck auf und es waren wiederum drei Schmuckstücke von verschiedener Größe, meist in rechteckiger Form.

Die einzelnen Stücke verjüngen sich in ihrer Größe nach links.
Dieser Gürtel erhielt den Namen

 

Bschlacht

Die Bschlacht ist der prunkvollste Schmuck der Walsertracht und wird auch heute noch in der gleichen Form getragen. Der breitere Ledergürtel mit Schnalle hat drei Schmuckstücke mit künstlerischen Gold- und Silberfiligranarbeiten.
Das größte der drei Schmuckstücke liegt in der Mitte des Rückens, sie verjüngen sich nach links. Die Bschlacht wird zu Soometkappa und Seidenhut, zwischen oder unter den Schürzenbändern getragen.

Eine jüngere Art Gürtel ist der sogenannte

 

Plätteleschgürtel

Dieser kam mit der neueren und größeren Form des "Chranzes" auf und steht nur den Mädchen zu Krone und Schälkle zu. Ursprünglich waren die Gürtel mit Kupferplättchen oder auch gestanzten Goldflintplättchen (wie an der Walserkrone) geschmückt.
Danach und bis heute besteht der Plättelesgürtel aus einem ca 2 cm breiten schwarzen Samtband mit drei aufgenähten Silber-Ornamenten in Form einer Rosette und zwei ovalen Seitenstücken. Zu beiden Seiten sind je 20 glatte Silberplättchen. Die Bänder sind inzwischen verschieden breit, Verschluß oder Schnalle sind vorne.

 

Gollerchötte

Es sind zwei doppelte, schwere Silberketten, die auf beiden Brustseiten am Rand der Schürze beginnen, in weitem Bogen unter den Armen durchführen und zwischen den Schultern zusammenfließen. Als Abschluß hat die Gollerkette je einen schweren Filigrananhänger. Sie wird nur von der Braut getragen.

 

Halspaater

Kostspieligster Halsschmuck der Walserin ist ohne Unterschied des Alters, des Standes und der Jahreszeit, die Korallenkette.
Die schönsten und schwersten Korallenketten gab es im 18.u.19.Jh. Walser Käsehändler brachten die gebrauchsfertig geschliffenen Korallen aus Italien mit. So ein "stockkralles Halspaatr" kostete schon in tiefster Friedenszeit 230 Kronen und war ein beliebtes Verlobungsgeschenk des Walser Bräutigam's.
Das "Halspaatr" ist zwei- bis fünfreihig, liegt ziemlich eng am Hals an und wird hinten mit einer ovalen goldenen oder silbernen Schließe befestigt. Oft sind auf der Silberschnalle die Initialen der Trägerin eingraviert. Vorne an der Kette ist ein goldenes Kreuzlein.

 

Korallenarmband

Material wie Halspaatr

 

Korallenring

Ohrringe



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