Bergsilvester Kleinwalsertal | © Kleinwalsertal Tourismus eGen | Fotograf: Moritz Hübner

14. Jan. 2021 · Kultur | Winteraktivitäten

Bergsilvester 2020 – ein ganz anderer Jahreswechsel im Kleinwalsertal

Im Jahr 2020 war vieles anders und so auch der Silvesterabend im Kleinwalsertal. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten konnten so gut wie keine Gäste den Jahreswechsel im Alpental verbringen. Für die Bewohnerinnen und Bewohner war dies sehr ungewohnt, viele treue Fans des Kleinwalsertals hatten Sehnsucht. Doch trotz allem haben sich die Verantwortlichen dazu entschieden, die Premiere des Bergsilvester Kleinwalsertal durchzuführen. Zum Wohle von Natur und Tier wurde auf Feuerwerk verzichtet und Platz gemacht für besondere Erlebnisse zum Innehalten, Staunen und Mitmachen. Welche Herausforderungen solch ein besonderer Jahreswechsel mit sich bringt, erzählt Katrin Berchtold.

Bergsilvester Kleinwalsertal | © Kleinwalsertal Tourismus eGen | Fotograf: Moritz Hübner

Ich begrüße Katrin, wie in den letzten Wochen üblich, über einen Video-Call. Aufgrund der aktuellen Lage sitzen wir beide im Home-Office und schwelgen von den Zeiten im Büro und davon, wie schön es wird, die Kollegen mal wieder in Person zu sehen.

Katrin macht auf mich einen erholten und frischen Eindruck. Sie hatte die letzte Woche Urlaub – wohlverdient, denn die letzten Monate waren für sie sehr ereignisreich. Nicht nur wegen der besonderen Umstände in 2020, auch die Planung des Bergsilvester Kleinwalsertal war überaus spannend.

Bergsilvester Kleinwalsertal | © Kleinwalsertal Tourismus eGen | Fotograf: Moritz Hübner

Die Entstehung des Bergsilvesters

Bereits ein Jahr zuvor gab es eine Aktion zum freiwilligen Verzicht von Feuerwerk. Da diese Aktion sehr gut angenommen wurde, entschloss sich die Gemeinde dazu, das Feuerwerksverbot, das eigentlich das ganze Jahr über gilt, zu Silvester nicht aufzuheben. Anders als in anderen Regionen und Städten war diese Entscheidung aber nicht durch Corona bedingt. Unter der Lärm-, Feinstaub- und Müllbelastung durch das Feuerwerk leiden besonders Natur und Tiere, weshalb wir ein „Zeichen setzen wollen, um unsere wertvolle Natur zu schützen.“

Katrin erzählt weiter von der Arbeitsgruppe, die für dieses Projekt gebildet wurde. Mit Interessierten aus verschiedensten Bereichen (wie Hotellerie und Landwirtschaft) sammelten sie Ideen, was anstelle eines Feuerwerks an Silvester passieren könnte. Die Grundidee war, zum Donauwalzer ins neue Jahr zu tanzen und Projektionen auf Schnee anzudenken. Gleichzeitig sollte ein bewusster Moment der Stille eingeplant werden. Um kurz auf die Pause-Taste zu drücken und das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Zudem sei es wichtig gewesen, die Jahreszahl am Gehrenhang beizubehalten, die durch die Bergrettung organisiert wird.

Herausforderungen über Herausforderungen

Mit einem Schmunzeln im Gesicht sagt Katrin, es seien „ziemlich stimmige Ideen – gerade für das Coronajahr 2020“ gewesen. Denn durch „Zufall“ war das Grundkonzept schon beinahe Corona konform. Aufgrund von Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen musste aber leider die Silvesterfeier auf dem Gemeindeplatz abgesagt werden, die bereits einige Jahre stattfand, sowie auf Lautsprecher verzichtet werden, die in den Ortszentren zum Lauschen und Tanzen einladen sollten.

Es musste aber nicht lang abgewägt werden, das Bergsilvester trotz aller Widrigkeiten und obwohl keine Gäste im Tal sein konnten, durchzuführen. Ein Argument des Bürgermeisters sei gewesen, dass die Bewohner des Tals 2020 schon auf so Vieles verzichten mussten, da müsse ein positives Statement gesetzt werden. Und die unzähligen positiven Rückmeldungen bestätigen diese Entscheidung.

Bergsilvester Kleinwalsertal | © Kleinwalsertal Tourismus eGen | Fotograf: Moritz Hübner

Von Märchen und Laserprojektionen

Das fertige Programm bestand aus drei Teilen, beginnend mit einem eigens geschriebenen Silvester-Märchen gefolgt von einem Countdown und dem abschließenden „aus der Reihe tanzen“. Alles begleitet durch atemberaubende Laserprojektion. Für eingefleischte Kleinwalsertal-Fans und alle, die das Spektakel nicht vor Ort miterleben konnten, wurde kurzfristig ein Live-Video ermöglicht. Auch ich habe mir dieses Video zu Hause angeschaut und in Sehnsucht geschwelgt, bald wieder ins Tal zu dürfen und die Veranstaltung dann zum Jahreswechsel 21/22 selbst zu betrachten.

Katrin hat mit einer Kollegin das Live-Video an einem der Projektionsorte betreut und hatte den perfekten Blick auf die Projektionen. Vor Ort, sagt sie, hatte diese Ruhe „fast schon etwas Magisches“. Natürlich wurde zu zweit dann auch - mit Abstand - das Tanzbein geschwungen. 😉

Bergsilvester Kleinwalsertal | © Kleinwalsertal Tourismus eGen | Fotograf: Moritz Hübner

Generalprobe bestanden

Besonders für Katrin war vor Allem zu sehen, wie alle Puzzleteile, die sie und die Arbeitsgruppe über Monate zusammengetragen hatten, zu einem Ganzen werden. Begeistert war Sie auch davon, dass die Bewohner des Tals fast gänzlich auf Feuerwerk verzichtet hatten, was die zauberhafte Stimmung der Veranstaltung nochmals hervorbrachte.

Obwohl sich die Veranstaltenden des Bergsilvesters vielen Herausforderungen stellen mussten, zieht Katrin ein rundum gutes Fazit: „Wir hatten dieses Jahr die Möglichkeit zur Generalprobe. Es gibt natürlich ein paar Stellschrauben, an denen wir noch drehen können. Beispielsweise hatten wir wenig Zeit zur Vorbereitung des Live-Videos. Aber insgesamt das war Bergsilvester aus meiner Sicht absolut gelungen.“

Und Katrins Wünsche für 2021? Sie überlegt kurz: „Puh, das ist keine einfache Frage, gerade im Hinblick auf die aktuellen Entwicklungen.“ Das wichtigste für Katrin ist natürlich zuerst einmal Gesundheit und dass das Tal, seine Einwohner und Unternehmenden die Krise auch in wirtschaftlicher Hinsicht überstehen können. Das schaffe man auch – durch ein gutes Miteinander, gegenseitiges Verständnis, Zuversicht und wie man hier sagt „ned lugg lo“ (nicht nachgeben, aufgaben -dranbleiben).

Hirschegg Panorama bei Nacht | © Kleinwalsertal Tourismus eGen | Fotograf: Dominik Berchtold

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