Zermahlene Kräuter | © Kleinwalsertal Tourismus eGen

25. Sep. 2015 · Genuss / Kulinarik
Carolin Schratt

Rezepte aus der Naturapotheke

Wenn es im Bauch zwickt, auf der Haut brennt oder im Kopf dröhnt, führt der erste Weg meist in die Apotheke. Warum man stattdessen mal einen Spaziergang in die Natur machen sollte...

Wann waren Sie das letzte Mal der Apotheke? Wenn es im Bauch zwickt, auf der Haut brennt oder im Kopf dröhnt, führt uns meist der erste Weg dorthin. Wie aus Mitleid packt der Apotheker in die Arzneitüte noch eine Probierpacking Bonbons oder Gratis-Taschentücher hinein – und während wir mit dem heilsamen Mittelchen in den Händen hinausspazieren, fühlen wir uns schon ein ganz kleines bisschen gesünder.

Kräuterfrau Lydia | © Kleinwalsertal Tourismus eGen

Und wann haben Sie das letzte mal einen Spaziergang in die Natur gemacht? Für Lydia Fritz ist ihre Apotheke „die Natur da dussa“. Im Umkreis von 15 km weiß sie haargenau, welche Zutaten sie wo findet. 15 km! Das ungefähr so, als ob ein Kölner von Leverkusen bis Bonn jede Currywurstbude kennen würde…

Heute nimmt uns die Walser Kräuterhexe nicht nur mit in ihre Naturapotheke im Schwarzwassertal, sondern wir stellen selbst einige Mittelchen in ihrer Kräuterwerkstatt her. Kaum hat uns Lydia begrüßt, läuft sie schon auf die Wiese hinter ihrem Häuschen in Wäldele und zieht ein Kraut nach dem anderen aus dem Boden. Wie eine wertvolle Trophäe hält sie jedes in der Hand, streift mit den Fingern darüber, während sie uns erklärt, dass manchmal allein die Struktur der Pflanzen schon etwas über ihre Wirkung beim Menschen verrät.

Kräuter des KWT | © Kleinwalsertal Tourismus eGen

So sprudelt es eine halbe Stunde lang aus ihr hervor, und auf dem Weg zu ihrer Kräuterwerkstatt kann man immer wieder sieben Gestalten in bunter Regenkleidung beobachten, die gebückt über das trockene Bachbett stromern und durch das Gras am Wegrand streifen. Dann ist das Eimerchen voll: Wir haben all unsere Ingredienzen beisammen.

In der Kräuterwerkstatt hat Lydia schon alles für ihre Kräuterlehrlinge bereitgestellt: Ringelblumenöl und Johanniskrautöl, kiloweise Salz, zwei Herdplatten mit gepunkteten Kochtöpfen und eine Waage. Kein Zweifel, für wen die sieben Schneidbretter und Mörser sind – unsere Arbeitsplätze sind angerichtet.

Was innerhalb der folgenden zwei Stunden passiert, hat tatsächlich mehr mit Kochen als mit Laborexperimenten zu tun. An der Seite der Tafel wird Grünzeug geschnibbelt, am anderen Ende brodelt eine alkoholische Mischung auf dem Herd und dazwischen zerkleinern vier Kräuterlehrlinge mit dem Stößel eine Kräuter-Salz-Mischung.
Während sie zwischen den Töpfen hin und her huscht und die ersten Tiegelchen mit dem Kräuterbalsam füllt, gibt sie ihr schier endloses Wissen über die heimischen Kräuter an uns weiter. Weshalb man manche Pflanzen besser morgens pflücken sollte, welche Pflanze die wichtigste für Frauen ist. Und als wir am Ende mit dem Kräuterwein im Magen und unserem Heilbalsam und Kräuterpeeling in der Hand hinaus in die Natur treten, wirkt die Naturapothekerin sogar ein bisschen stolz auf ihre Schützlinge – und wir fühlen uns auch schon ein ganzes Stück gesünder.
Wer mehr über die Zubereitung von Kräuter-Heilmitteln erfahren möchte, kann Lydia einen Nachmittag lang beim Kräuterspaziergang begleiten.

Eines der Rezepte aus Lydias Naturapotheke zum nachmachen:

Körperpeeling mit Ursalz und Pflegeöl

Zutaten:

60g Ursalz
20g Ölauszug mit einem Öl Ihrer Wahl z.B. Meisterwurzöl (erdet sehr und bringt klare Gedanken), Ringelblumenöl (pflegend), Johanniskrautöl (nervenberuhigend)
Nach Wunsch auch mit Birkenblättern oder Efeu (entschlackend), Lavendel und Melisse (beruhigend), mit Meisterwurz oder Rosmarin (Belebend)

Ätherische Öle:
3 Tropfen Grapefruit und 3 Tropfen Orange
Je 2 Tropfen Zypresse und arabische Minze oder Pfefferminze (kann man auch weglassen)

Zubereitung

Das ätherische Öl mit dem anderen Öl mischen, in das Salz rühren und in ein kleines Schraubglas abfüllen.

Anwendung:

Das Peeling auf die angefeuchtete Körperhaut mit kreisenden Bewegungen einmassieren. Warm abduschen und die Haut sanft abtrocknen. 

 

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Max Hütte  | © Kleinwalsertal Tourismus eGen | Fotograf: Hans Wiesenhofer

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