Am 20. September 1945 wurde die offizielle Wiedervereinigung des Kleinwalsertals mit Vorarlberg gefeiert – nach sieben Jahren Zugehörigkeit zum "Gau Schwaben" infolge des "Anschlusses" Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938.

Zu diesem historischen Festakt reisten Mitglieder des neu gegründeten Vorarlberger Landtags, Vertreter der Französischen Besatzungsmacht sowie Persönlichkeiten aus dem "Ländle" und aus dem Tal selbst ins Kleinwalsertal. Der Fotograf Karl Max Kessler hielt diesen denkwürdigen Tag in einzigartigen Aufnahmen fest, die nun erstmals im Rahmen einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Mit diesem Bildmaterial wird eine bedeutende Zeitenwende lebendig – von den dramatischen Tagen des Endes des Zweiten Weltkriegs bis hin zum 20. September 1945 und den daraus folgenden Entwicklungen für das Kleinwalsertal. Ergänzt durch Wort, Bild und Ton wird Geschichte so eindrucksvoll erlebbar.

Geschichte erleben feierlich erinnert

Am 20. September 2025 fand am Gemeindeplatz in Riezlern eine feierliche Veranstaltung statt. 

Als besonderes Highlight durften wir einem Gespräch zur Wiedervereinigung mit Thomas Gayda, Buchautor Tagebuch eines Gefangenen von André Francois-Poncet, sowie Stefan Heim, Chronist der Gemeinde Mittelberg, lauschen.

Die Ausstellung konnte über die Sommermonate in Riezlern besichtigt werden. 
Vom 22.01.2026 bis zum 05.02.2026 kann die Ausstellung im Landhaus in Bregenz besichtigt werden. 

Verantwortlich für die Ausstellung

Thomas Gayda, Andrea Kainz, Bettina Kessler und Mathias Kessler = Karl Max Kessler Archiv,
Renate Liebl, Mitglieder der Fachgruppe KULTUR & BRAUCHTUM der Gemeinde Mittelberg

Das Bild zeigt die Veranstaltung am 20. September 1945 – an der Walser Schanze, Wiedervereinigung des Kleinen Walsertales zu Vorarlberg


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1938 - 1945 Angliederung an den gau schwaben

Der "Anschluss" Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland, de facto der Einmarsch der deutschen Wehrmacht, am 12. März 1938 hatte für das Kleinwalsertal weitreichende Folgen. Naturgemäß verlor durch die Angliederung an Deutschland der Zollanschlussvertrag seine Bedeutung. Der Gemeindetag wurde aufgelöst und Bürgermeister Gedeon M. Fritz abgesetzt. Am 16. April 1938, wenige Tage nach der Abstimmung über den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, wurde vom kommissarischen Bürgermeister und der NSDAP-Ortsgruppenleitung an die Landeshauptmannschaft und die NSDAP-Gauleitung Vorarlberg der Antrag gestellt, das Kleinwalsertal im Zuge des Neuaufbaus Österreichs verwaltungsmäßig dem Bezirk Sonthofen im Regierungsbezirk Schwaben einzugliedern. Die Partei feierte schließlich am 12. Juli 1938 pompös die Eingliederung des Kleinwalsertals in den NSDAP-Gau Schwaben.

Die feierliche Übernahme vollzog bei strömenden Regen der Gauleiter Karl Wahl. Nicht wenige Kleinwalsertaler blieben dieser Zeremonie freilich fern, manche wohl auch demonstrativ, um ihren Protest zum Ausdruck zu bringen.

Zu Beginn der NS-Zeit wurde das Kleinwalsertal als zweitgrößter Wintersportplatz des Großdeutschen Reiches beworben. Nach Ausbruch des Kriegs kam der Fremdenverkehr jedoch nach und nach zum Erliegen. Andererseits nahm die Anzahl der im Tal evakuierten Personen beträchtlich zu.

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wurde die Region Kleinwalsertal von bewaffneten Männern der Widerstandsbewegung – dem Heimatschutz – unter der Leitung von Peter Meusburger unter ihre Kontrolle gebracht. Ihr Ziel war, das Tal vor fanatischen Nationalsozialisten zu schützen und an die vorrückenden französisch-marokkanischen Truppen kampflos zu übergeben. Letztlich konnte diese Übergabe ohne Blutvergießen erreicht werden.

Die Bevölkerung war seit März 1945 durch Ostflüchtlinge und Verwundete in den Notlazaretten auf beinahe zehntausend Personen angewachsen. Entsprechende Versorgungsengpässe waren die Folge. 

Die im Tal anwesenden französischen und marokkanischen Besatzungssoldaten feierten ihren Sieg über das nationalsozialistische Deutschland am 20. Mai 1945 mit einer großen Parade in Anwesenheit von Charles de Gaulle, dem späteren Staatspräsidenten.

ab 1945 Nachkriegszeit

Ein Festakt mit dem Titel "Heimat kehrt zur Heimat wieder ..." markierte am 20. September 1945 die offizielle Rückkehr der Gemeinde Mittelberg zu Österreich. In den ersten Monaten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges prägte die Anwesenheit französischer und marokkanischer Besatzungssoldaten das Bild des Kleinwalsertals. Diese sicherten auch die Grenze an der Walserschanz.

Einen Vorgeschmack für den Aufbruch in eine neue Zeit gaben die Walser Kulturtage 1946. In einer Ausstellung, die auch wirtschaftliche Perspektiven eröffnen sollte, präsentierten sich Handwerksbetriebe des Tales. Nur kurze Zeit nach der nationalsozialistischen Herrschaft wurde für die Feier bewusst der Titel "950 Jahre Österreich – 650 Jahre Walsertal" gewählt. Die Grenzkontrollen durch die französischen Soldaten an der Walserschanz endeten im April 1947. Wenige Tage später wurde die Grenze wieder besetzt, nunmehr von österreichischen Soldaten.

Am 15. Dezember 1948 verließ der letzte Soldat der französischen Besatzungsmacht das Kleinwalsertal. Dies bedeutete, dass alle seit Kriegsende beschlagnahmten Hotels und Privatwohnungen wieder für den Tourismus zur Verfügung standen. Dieser wurde durch den erleichterten Grenzübertritt aus Deutschland maßgeblich gefördert und erlebte zu Weihnachten 1948 eine erste noch zaghafte Blüte. Der Tourismus sollte sich in den kommenden Jahrzehnten ungeahnt weiterentwickeln, vor allem durch das deutsche Wirtschaftswunder der 1950-er Jahre gefördert. Nachdem bereits 1940 der erste Skilift im Kleinwalsertal errichtet worden war, setzte nunmehr die Schaffung neuer und moderner touristischer Infrastruktur ein.

In der Nachkriegszeit erhielt der Zollanschlussvertrag für das Kleinwalsertal erneute Bedeutung. Die Reichsmark wurde mit der Währungsreform am 21. Juni 1948 durch die D-Mark ersetzt.  Nach der Währungsreform steigerte sich die Bedeutung des Kleinwalsertals als Bankenplatz abermals, indem viele deutsche Gäste ihren Urlaub mit der Erledigung von Bankgeschäften verbanden.


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20.09.2025 die veranstaltung

DIE AUSSTELLUNG ZUM 20. SEPTEMBER 1945 AUSSTELLUNG IM LANDHAUS VORARLBERG

Am 22.01.26 wurde im Foyer des Vorarlberger Landtages die Ausstellung „Heimat kehrt zur Heimat wieder“ präsentiert, die bereits auf dem Gemeindeplatz in Riezlern zu sehen war, in Erinnerung an die Wiedervereinigung der Gemeinde Mittelberg mit Vorarlberg am 20. September 1945.

Nach 7-jähriger Zwangsangliederung an den Gau Schwaben im Juli 1938 war dies ein Schicksalstag , dem diese  Ausstellung Rechnung trägt und einmal mehr auch die enge Zugehörigkeit der „Exklave“ Kleinwalsertal zum „Ländle“  dokumentiert. Seltene  Bild – Film – und Tondokumente vergegenwärtigen das Lebensgefühl jener Zeit, zentraler Ausgangspunkt natürlich die Fotomappe von Fotograf Karl Max Kessler, der den 20. September – offenbar im Auftrag der Gemeinde –seinerzeit  fotografisch akribisch festgehalten hat.

spannendes filmmaterial

20. September 1945 Bilder aus den Tagen zum Festakt