Sonnenaufgang auf der Kanzelwandbahn | © Kleinwalsertal Tourismus eGen | Fotograf: David Kögler

07. Jan. 2016 · Winteraktivitäten

Leidenschaft Skibergsteigen

Wir stellen vor: David, 22, Skibergsteiger und Bergverrückter

05.15 Uhr - unsanft werde ich von meinem Wecker aus den Träumen geweckt. Raus aus dem warmen Bett, kurzer Blick aus dem Fenster, sternenklarer Himmel. Schnell ein Müsli essen, in die Klamotten, Sachen ins Auto und ab zur Talstation der Kanzelwandbahn.

Wer sich jetzt denkt, um 06.00 Uhr an der Kanzelwand? Da läuft doch noch kein Lift? Der liegt richtig. Einen Lift brauche ich aber auch nicht. Denn ich bin Skibergsteiger.

Auf dem Weg zum Ziel | © Kleinwalsertal Tourismus eGen | Fotograf: David Kögler

Was das ist? Skibergsteigen umschreibt ganz einfach das wettkampfmäßige Skitourengehen. Mit Skiern die Berge hinauf, in möglichst kurzer Zeit. Normalerweise die verschneiten, unberührten Berge außerhalb der Skigebiete. Doch Frau Holle hat zum Winteranfang im Dezember noch nicht so wirklich Lust und daher bin auch ich auf die Kunstschneepisten angewiesen um meine Trainingseinheiten durch zu führen.

Kein Problem, denn die Männer der Kanzelwandbahn haben wirklich ganze Arbeit geleistet. Auch wenn rundherum alles grün ist, findet man auf den Pisten doch optimale Verhältnisse vor.

Im Licht meiner Stirnlampe die Talabfahrt entlang hinauf. Um diese Uhrzeit herrscht eine besondere Ruhe. Ich höre nur meinen Herzschlag, die schnelle Atmung und das Knirschen meiner Skier. Nach 50 min erreiche ich die Bergstation und blicke ins Tal, das langsam erwacht. Schnell die Felle von den Skiern gezogen, abgefahren und nochmal dieselbe Strecke. Als ich das zweite Mal die Bergstation erreiche geht langsam die Sonne hinter der einmaligen Kulisse der Allgäuer Alpen auf.

Aufstieg - David Kögler | © Kleinwalsertal Tourismus eGen | Fotograf: David Kögler

​​​​​​​Training in den Walser Bergen

Immer wieder zaubern mir solche Momente ein Lächeln ins Gesicht. Nun liefere ich mir noch ein Rennen mit der Sonne. Schnell über die super präparierte Piste ins Tal abgefahren und ein drittes Mal herauf. Ich verliere knapp, denn als ich die Bergstation erreiche, scheinen mir die ersten Sonnenstrahlen ins Gesicht und die ersten Skifahrer steigen aus den Gondeln. Alle glücklich, trotz Schneemangel sieht man keine trüben Gesichter. Jeder freut sich „in was für einem top Zustand die Pisten sind“ und „was für ein Glück wir doch mit dem Wetter haben“.

Ich raste kurz, unterhalte mich mit ein paar Skilehrern, erkläre ein paar interessierten Gästen was denn genau Skibergsteigen ist und wie das funktioniert.

Kurzer Blick auf die Uhr, 2500 Höhenmeter habe ich schon. Eigentlich gut und ich könnte mit gutem Gewissen mein Training beenden, doch die Hammerspitze lächelt mich glänzend im Sonnenschein an. Also gut, Ski auf den Rucksack geschnallt und über den Grat in Richtung Hammerspitze. 

Auch das gehört zum Training. Bei den Rennen geht es oftmals über steile, ausgesetzte Grate bei denen man die Skier auf den Rucksack schnallen muss. Das alles im Wettkampftempo, am körperlichen Limit, ist nicht ungefährlich, man darf sich keine Fehler erlauben. 
Über Schnee und Fels „kraxle“ ich in Richtung Gipfel. Bei strahlendem Sonnenschein und einer wahnsinns Aussicht über das Kleinwalsertal, sowie das benachbarte Stillachtal erreiche ich den Gipfel. Ich lass meinen Blick über die heimischen Berge schweifen. Alle habe ich sie schon bestiegen und trotzdem wird es niemals langweilig. Ich komme während der Rennsaison viel herum. In ganz Österreich, Italien, Deutschland, der Schweiz und Frankreich. So schön Matterhorn, Monte Rosa, Ortler, Mont Blanc, … auch sind, so erfreue ich mich doch immer wieder an den Skitouren auf meine Hausberge.

Wettkampf  | © Kleinwalsertal Tourismus eGen | Fotograf: David Kögler

​​​​​​​Exkurs zu den ersten Rennen der Saison

***Nightattack Flumserberg*** Anfang fanden sich 500 Skibergsteiger am Flumserberg (CH) ein um gemeinsam beim ,,Nightattack" in die neue Saison 2015/16 zu starten. Bei diesem Vertical (=reines Aufstiegsrennen), galt es knapp 800 hm so schnell wie möglich zu bezwingen. Einige Spitzenathleten aus Österreich, der Schweiz und Deutschland waren mit von der Partie. Um 18.00 Uhr fiel der Startschuss und die Spitzengruppe zog mit einem Höllentempo los. Ich wollte unbedingt dran bleiben, doch im dichten Gedränge kurz nach dem Start, blieb ein Mitstreiter mit seinem Stock an der Schlaufe meines Felles hängen und zog mir dieses dadurch vom Ski ab. Das hieß stehen bleiben, Fell suchen, wieder auffellen und nochmals durchstarten. Das kostete viel Zeit. Mit einer rießen Wut im Bauch startete ich die Verfolgungsjagd. Ich musste mich an ca 300 Läufern vorbei wieder langsam nach vorne arbeiten, jedoch konnte ich, trotz schnellem Tempo, nicht mehr nach vorne aufschließen. So kam ich schlussendlich, nach 40min 50sec als 7. meiner Altersklasse ins Ziel. Naja so ist es nunmal im Sport. Mit meiner Leistung war ich sehr zufrieden, solche Missgeschicke können passieren :)

***Schönleiten Trophy*** An einem weiteren Adventwoche ging es nach Saalbach (Salzburg) zur "Schönleiten Trophy". Im Rahmen dieser wurden drei Rennen ausgetragen. Ich stellte mich der Herausforderung nicht nur eines davon, sondern alle drei Rennen zu laufen. Am Samstag Nachmittag startete der Vertical (=reines Aufstiegsrennen). Die Creme de la Creme der deutschsprachigen Skibergsteigerszene war vertreten und so machten die zahlreichen Weltcupathleten die vorderen Plätze unter sich aus. Giftige und extrem steile 550 hm galt es zu bezwingen. Aufgrund des extrem starken Starterfeldes war ich mit Gesamtrang 23 dann doch sehr zufrieden. Abends dann der Sprint, ich schaffte es bei dem sehr starken Starterfeld bis ins 1/4 Finale und verpasste um nur wenige Sekunden den Einzug ins Halbfinale. Wiederum sehr zufrieden mit meiner Leistung konnte ich diesen Tag abschließen. Am nächsten Tag folgte noch das Individual mit 1400 hm. Mit sehr müden Beinen vom Vortag konnte ich im vorderen Mittelfeld gut mithalten, meine volle Leistung aber nicht abrufen. Daher wurde es nach 01h 39min nur der 18e Rang. 

Entspannen am Berg | © Kleinwalsertal Tourismus eGen | Fotograf: David Kögler

Zurück am Berg...

2700 hm - das ist genug für heute. Ich zieh mir meine Jacke drüber, nehme einen Biss von meinem Riegel und fahre vom Gipfel in Richtung Kuhgehren und weiter über die Talabfahrt ab.

Den Nachmittag verbringe ich zuhause, bei Sonnenschein in der Hängematte lasse ich die Seele baumeln und freue mich auf den nächsten Tag. Selbes Programm.

Die Kleinwalsertaler Bergwelt im Winter ist etwas unheimlich Schönes. Dennoch unterschätzen viele Leute die Gefahren. Wer sich im Winter auf Tour begeben und diese unheimlich schöne Bergwelt entdecken möchte wendet sich am besten an die Profis der Bergschule Kleinwalsertal. 

Skibergsteiger David Kögler | © Kleinwalsertal Tourismus eGen | Fotograf: David Kögler

Zur Person

David Kögler, 22 Jahre alt aus Hirschegg im Kleinwalsertal und angehender Polizist. Bergverrückt seit der Kindheit. Egal ob Bergsteigen, Berglauf, TrailRunning, Klettern… Meine größte Leidenschaft ist jedoch das Skibergsteigen. Ich betreibe diesen Sport nun schon die vierte Saison wettkampfmäßig und bekomme einfach nicht genug. Das Privileg in einer traumhaften Natur trainieren zu können, immer wieder an und über seine Leistungsgrenzen hinaus zu gehen macht den Reiz für mich aus. Das Training ist oft sehr hart und nicht immer läuft alles so wie man es sich wünscht, doch es ist alle Mühen wert. Ein großes Ziel für die Zukunft ist die Ausbildung zum staatlich geprüften Bergführer. Ich möchte Leute in die Berge führen und ihnen die Einzigartigkeit unserer Natur näher bringen.

Freeriding im Kleinwalsertal | © Kleinwalsertal Tourismus eGen | Fotograf: Frank Drechsel

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